Jack Wolfskin schmiert ab und keiner weiß warum

Die Nachricht macht betroffen. Da bieten Promi-Heuschrecken wie Blackstone hunderte von Millionen Euro auf, um sich das hessische Unternehmen Jack Wolfskin einzuverleiben und dann sind sie in den sechs Jahren ihres Engagements nicht in der Lage, aus dem ungeschliffenen Diamanten einen Juwel zu machen.

Warum? Hochnäsigkeit? Mangelnde Branchenkenntnis? Zu wenig Sportsgeist?
Fakt ist, dass ein Wettbewerber wie Vaude im gleichen Zeitraum höchst rentabel aus eigener Kraft gewachsen ist. Mit einem ganz klaren strategischen Fokus: Nachhaltigkeit – Nachhaltigkeit – Nachhaltigkeit.

Jack Wolfskin jammert heute, dass die Qualität der Produkte so gut ist und so lange hält, und die Kunden deshalb so selten neue Jack Wolfskin-Produkte kaufen. So ein Quatsch! Vaude verbucht aus dem gleichen Grund steigende Absatzzahlen. Weil die Sachen so lange halten, wollen die Kunden mehr Produkte von Vaude. Gerade weil sie der Qualität und Langlebigkeit vertrauen.

Keine Strategie. Keine klare Markenbotschaft. Keine Community. Kein tieferer Sinn, einzukaufen.
Jack Wolfskin bemängelt die fehlende Markentreue seiner Kunden. Doch zum Fremdgehen gehören immer zwei: Jack Wolfskin bietet zu wenig und der Kunde kann der Versuchung, der vermeintlich besseren Alternative nicht widerstehen.

Da die Outdoor-Produkte in der Optik und Funktionalität herstellerübergreifend durchaus eine gewisse Ähnlichkeit haben, setzen beispielsweise Vaude und die schweizerische Mammut Sports Group AG auf zusätzliche Faktoren. So tritt Vaude neben der Nachhaltigkeit für eine Verbesserung der Welt ein und macht den Kunden auf diese Weise nicht nur die Kaufentscheidung leichter, sondern bietet eine Andock-Möglichkeit für Menschen mit dem gleichen Werteverständnis.

WinterwanderungMammut appelliert an den Sports-, Team- und Entdeckergeist seiner Kunden, sich auf außergewöhnliche Abenteuer einzulassen. Mammut und Vaude eröffnen den Eingang auf ihre Websites jeweils mit klaren Statements in diese Richtung. – Wer zum Vergleich auf die Jack Wolfskin-Website geht, merkt sofort den Unterschied. Dort kann man sich in drei Schritten als Erstes eine Jacke konfigurieren. Wie langweilig!

Ein Alphatrend wäre empfehlenswert
Wie auch immer es bei Jack Wolfskin weitergeht: Ohne die Marke auf einer neuen Strategie aufzubauen, wird der Befreiungsschlag nicht gelingen und das Sterben auf Raten weitergehen. Kapital gewinnt nun mal keine Kunden, Emotionen dagegen schon.

Vaude nutzt sehr erfolgreich den Alphatrend „Die Welt verbessern“. Mammut setzt auf „Provozieren“. Vielleicht findet Jack Wolfskin ja noch einen passenden Alphatrend. Der Marke und den Mitarbeitern wäre es zu gönnen.

Übrigens: Vaude und Mammut gehören zu den Unternehmen, deren Erfolgsgeheimnisse in unserem neuen Buch „SCALE UP!“ ausführlich beschrieben sind.

Über den Autor:
Christian Kalkbrenner, Dipl.-Kfm. (univ.) verhilft Unternehmen mit seinem prämierten Strategieansatz „Bambus-Code“ zu neuen Kunden und mehr Nachfrage. Er ist Strategieberater, Autor mehrerer Fachbücher und Redner.

Sie wollen mehr darüber erfahren, was Christian Kalkbrenner für Ihr Unternehmen tun kann? Hier geht es zum Beratungsangebot.

Ähnliche Artikel:
Trauerspiel Messestand
Der Zauber der hormonellen Unternehmensführung
Vom Leistungsverbrechen zum Leistungsversprechen

Leser, die diesen Artikel gelesen haben, besuchten auch:
So beeinflusst die Marke den Kauf
Der Wachstums-Test: wie fit ist Ihr Unternehmen?
Gute Marken – schlechte Marken: Teil 2 – Markenentwicklung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.